Warum "Nein"-Sagen (k)eine Kunst ist



In diesem Blog erfährst du:

  1. Was die Kosten von einem halbherzigen "Ja" sind

  2. Was der Nutzen von einem ehrlichen "Nein" ist

  3. Wie sich ein gesundes Nein anfühlt

  4. Warum da so viele "People Pleaser" sind

  5. Warum "helfen wollen" das Drama befeuert

  6. Wie du geschickt ein "Nein" formulierst

Ich gebe es zu: Ich bin als People Pleaser erzogen worden. Und erst seit meinem eigenen #Burnout vor mehreren Jahren (noch als Angestellte im Senior Management einer weltweiten #HR Abteilung) fing ich an, mich explizit vom people pleasing frei zu schwimmen. Was ich beobachte: Viele sagen viel zu viel „JA“:

  • Ja: mache ich bis heute Abend fertig

  • Ja: ich helfe dir (= lasse meine eigene Arbeit liegen )

  • Ja, ich nehme Änderungspunkt 385304 noch in das Konzept auf, Chef

  • Ja #CEO / #VR deine Idee ist super- arbeiten wir ein.



Ja Ja Ja!



Meinst du dein JA wirklich zu 💯 %? Meine Erfahrung sagt mir: Wahrscheinlich oft nicht.



Was sind die Kosten eines halbherzigen Jas?

  • Die Arbeit hört nie auf, du läufst konstant im hohen Drehzahlbereich

  • Andere nehmen dein verwässertes "Ja" nicht mehr ernst und dich nicht für voll, du verlierst #Respekt

  • Sie nutzen dich aus

  • Du bist dir selbst nicht treu, schleichender sinkender Selbstwert ist die Folge

  • Du bist für Alle da, nur nicht für dich selbst

  • Gefahr von #Burnout, Verlust deiner #Karriere oder #Führungsposition (nicht das Ende der Welt, aber auch nicht lustig)

  • Du verlierst enorm viel #Impact bzw. kannst ihn gar nicht erst kreieren.


Das Alles geht auf Dauer nicht gut.



Jedes Ja zum Anderen ist ein Nein zu dir selbst

Und Ich meine hier nicht das fachliche Nein. Wo du mit besseren Fachargumenten relativ bequem Nein sagen und überzeugen kannst. Ich meine das Nein bezüglich deiner persönlichen Grenzen. Ich meine die Antwort auf die Frage: In wieweit kann dir Jemand in deinem Vorgarten, Garten oder Haus rum trampeln, ohne Konsequenzen von dir fürchten zu müssen?




Was sind die Vorteile von deinem gesunden, persönlichen Nein?


Sei ein Bambus: Tief verwurzelt, aufrecht und in den Ästen flexibel

Was ist die Qualität eines gesunden Neins?

  • Es ist kein "gebrülltes oder verzweifeltes Nein"

  • Kein „immer-Dagegen-Nein"

  • Oder auch kein „Faust im Sack-Nein“, das passiv-aggressiv keiner mitbekommt

  • Dein Nein ist idealerweise in deinen Kern- #Werten (von #Führung und Mensch sein) verwurzelt

  • Körperlich fühlt es sich in dir mit der Zeit entspannter / ruhiger an

  • Gedanklich fühlst du dich wahrscheinlich klarer / fokussierter

  • Emotional fühlt es sich "richtig" an. Du wirst dich ggf. erst unsicher fühlen (es ist noch ein ungewohnter Muskel, der trainiert wird), später dann erleichtert, zufrieden oder stolz. Am Ende ist es eine leichte Selbstverständlichkeit, die dir nicht mehr auffällt, weil du nun anderes lernst.

  • Vielleicht fühlt es sich wie ein Bambus an: Tief verwurzelt in dir selbst, aufrecht und in den Ästen flexibel (Diskussionsraum). Nun kann Jeder kommen: Ich bin da. Ich bin bereit. Ich bin offen für eine gesunde Lösung.

  • Dein Nein hat Verbindung mit deinem Gegenüber. (Du hockst nicht unter einer Teflon-Glocke oder hinter eine Maur). Du kannst weiter im Kontakt und Dialog sein und verhandeln.




Du hast verbindende Grenzen

Wieso sind so viele Menschen People Pleaser? Darüber sind ganze Bücher geschrieben worden. Unten meine Erfahrung mit mir selbst und meinen Klienten. Dies ist eine sehr plakative Beschreibung von einem der Hauptgründe, die zu people pleasing führen können. In der Realität ist es naturgemäss komplexer:

  1. Viele von uns hatten Eltern, die einen niedrigen Selbstwert hatten und selbst nicht recht wussten, was ihre Bedürfnisse sind. Oder es ging einfach ums nackte Überleben. Beispiel: Meine Eltern sind 1947 in Deutschland geboren. So nah nach WWII als Mitglied der Arbeiterklasse war die Armut gross. Der Bruder meines Vaters verstarb als Baby, weil meine Oma keine Milch mehr zum Stillen hatte. #Persönlichkeitsentwicklung lag da einfach nicht drin.

  2. Die Chancen sind hoch, dass du unter solchen oder ähnlichen Rahmenbedingungen des Mangels (im Aussen oder im Inneren) von deinen Eltern keinen "echten Selbstwert" lernen konntest. Sie haben eventuell ihre eigenen Bedürfnisse nach #Respekt, #Wertschätzung, #Liebe oder #Sicherheit über dich gestillt. Irgendwas "musstest" du für sie tun (lieb Kind sein, keine Schande machen, Abitur, Jurist werden etc.) damit du geliebt oder zumindest akzeptiert wurdest. Als Mädchen wurde von dir eventuell noch mehr als von einem Jungen erwartet, folgsam und sozialverträglich zu sein. Die Erziehung der Vergangenheit (Tausende von Jahren!) war meist geprägt davon, dem Kind deutlich zu machen, dass es unrecht und die Eltern Recht haben. Der Start der People Pleaser Karriere für dich...

  3. Wenn du keinen stabilen Selbstwert hast, suchst du dir Bestätigung im Aussen, weil du sie dir ja nicht selber aus dem Inneren geben kannst. Du folgst der Meinung Anderer (Eltern, Lehrer, Chef, Ehepartner, CEO). Und du wirst sehr darauf achten, was sie von dir wollen (oder was du glaubst, was sie von dir wollen könnten) - und du wirst es (manchmal im vorauseilenden Gehorsam) erfüllen. Sonst fühlst du dich nicht sicher, zugehörig, gebraucht oder wertvoll.

  4. Mit der Zeit wirst du richtig gut im people pleasing und du erhältst natürlich Lob! Ein Teufelskreis, denn so baut ein Teil von dir sich einen "falschen Selbstwert" auf, der vom Aussen abhängig ist. Du hängst am Tropf...

  5. Vielleicht fühlt es sich auch sehr, sehr lange sehr gut an. Manche (auch manche #Führungskräfte) nennen das "#Erfolg!" Werden aufgrund dessen befördert, weil sie es ihrem Chef / CEO / #VR / #Kunden ja so recht machen oder fördern dieses people pleasing bei ihren #Mitarbeitenden. Weil sie es nicht anders kennen. Lob kann süchtig machen. Weil du keinen inneren Ort hast, an dem das Lob dich wirklich tief nähren und in dir gespeichert werden kann, brauchst du mehr Lob.

  6. Bis es sich irgendwann nicht mehr gut anfühlt und ein schaler Beigeschmack entsteht.

  7. Wenn der schale Beigeschmack überhand nimmt, sich z.B. im Privaten und im Geschäft dauerhaft zeigt, evtl. auch in deiner Gesundheit oder sich in einer #Sinnkrise oder #Jobverlust äussert, dann wird dein Leid gross genug und du kommst du an einen spannenden und essentiellen Punkt: Hier könnte deine neue Art der #Selbstbestimmung beginnen... Du könntest dich für etwas Anderes entscheiden!

Helfen wollen-müssen: "Ja, aber Nicole! Ich sehe überall so viele Mitarbeitenden, die Unterstützung brauchen! Ohne mich geht es gar nicht. Wenn ich nicht da bin, bricht der Laden zusammen."

Ok. Du bist ein Gutmensch (oder glaubst es von dir :-). In der Psychologie nennen wir dies #Agency: Dies ist der "Helfer" im Drama-Dreick: Helfer - Täter - Opfer. Dieses Dreieck hält sich selbst am Leben. Bis jemand aussteigt, z.B. du und damit sich und potenziell auch die Anderen erlöst. Wenn du nicht aus der Helfer-Rolle aussteigst, droht dir der "Aufstieg" zum Märtyrer. Du erntest noch mehr Lob - und wirst noch mehr leiden.

Oder / und: Du hast wirklich enorm feine Antennen, fühlst überall die Not der Anderen, mehr als denen es selbst bewusst ist. In echt jetzt. Vielleicht - eine Steigerung was die Empfindsamkeit angeht - bist du nicht nur seht empathisch, sondern #hochsensibel (bzw. #hochsensitiv) oder auch #vielbegabt (beides circa 15-20% der Arbeitsbevölkerung).

Kurz: Du nimmst entweder mehr wahr als Andere, bist also Seismograph für Themen, die andere erst viel später mitkriegen. Oder du hast extrem viele breite und tiefe Fähigkeiten (und die Normalbegabten eher nicht, was ja OK ist!), dass du überall mit machen kannst-willst-musst. Es hängt ja Alles mit Allem zusammen und die Andern sehen das nicht! (Anmerkung: Hochsensibilität und Vielbegabung sind keine bugs, sondern features ;) Egal, ob normalbegabt, Gutmensch, Märtyrer, hochsensibel und / oder vielbegabt, es gilt:


Wer ein grosses Herz hat, braucht klare Grenzen

(Zitat einer meiner ehemaligen Ausbilderinnen: Dr. Anna Gamma, Psychologin, Nonne, Zen-Meisterin, Autorin und Geschäftsführerin des "Institut für Zen und Leadership" in Luzern).



Wie kann ich mein Nein geschickt verpacken?

Verbal zum Beispiel so:

  • "Wenn ich deine neue Idee einbaue, verzögert sich die Abgabe des Konzeptes um X. Ok?"

  • "Ich möchte dies noch mehr verstehen: Wieso genau? Für wen wird welcher Mehrwert generiert? Was heisst das für die vorherige Idee?" (Dranbleiben mit den Fragen! Bereite sie vor.)

  • "Ich mache dies, wenn du das willst. Hier sind allerdings meine Bedenken und warum: ....."

  • "Wie wäre es mit... (Vorschlag)"

  • "Da bin ich gerade etwas überrumpelt von der Anfrage und ich möchte für eine gute Lösung darüber nachdenken. Ich komme übermorgen wieder auf dich zu."

Oder:

  • "Nein. Das macht für mich keinen Sinn / das möchte ich nicht. Bitte geh zu jemanden anderem."

Oder einfach

  • "Nein."

"Nein" ist ein vollständiger Satz


Es gibt noch viele andere Formen der gesunden Abgrenzung, jenseits der o.g. verbalen. Mit Körpersprache, emotional, gedanklich oder energetisch. Manche Klienten bewerfe ich auf deren Wunsch hin im #Coaching mit Bällen, die sie abwehren lernen, während sie ein Seil als Schutzzone um sich auf dem Boden liegen haben, das ihren Raum kennzeichnet. Andere ziehen gedanklich in Meetings einen Schutzkreis um sich. Ich persönlich stellte, als ich noch angestellt war, im Grossraumbüro eine Fahne auf meinem Tisch auf, wenn ich nicht angesprochen werden wollte (Konzeptarbeit). Natürlich habe ich das vorher den Kollegen und dem Chef erklärt, mit dem Argument, dass ich so besser "performen" kann. (Performance als Argument hilft eigentlich immer :-) Deiner Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt! Finde dein Ding.

Manchmal braucht es externe Unterstützung von einem guten Coach oder Therapeuten. Ich empfehle zu jemandem zu gehen, der auch auf Körperebene (ABS: Atmung, Bewegung, Stimme) arbeitet und selbst seinen Weg vom "Ja zum bewussten Nein" gemacht hat. Teste die Menschen, denen du dich hier anvertraust. Die Guten sind es gewöhnt und werden mit Freude deiner Prüfung stand halten.



Nimm dir deinen Raum. Es wird sonst keiner für dich tun.

Fazit:

  • Die Kosten eines falschen Jas sind hoch. Die Vorteile der gesunden Abgrenzung überwiegen.

  • Du hast wahrscheinlich bisher einfach nicht gelernt gut "Nein" zu sagen und arbeitest mit dem, was du hast: Was sollst du auch anders tun?

  • "Nein" sagen und einen gesunden Selbstwert entwickeln kann man jederzeit lernen

  • Es gibt viele Möglichkeiten der Abgrenzung, z.B. ein Bambus sein!

  • Mache es dir leicht(er), hole dir eine gute Begleitung

  • Was nimmst du konkret für dich aus dem Artikel mit, das du JETZT anfängst, anzuwenden?

  • Wie unterstützt du deine Mitarbeitenden auf diesem Weg?

--> Ich bin gespannt, deine Erfahrung zu dem Thema zu hören und freue mich auf deine Kommentare unten oder wenn du den Beitrag mit jemandem teilst, dem es dienen könnte. Merci. Deine Nicole

#leadership #selbstführung #führung #resilienz #Burnout #HR #Zeitmanagement #erfüllenderErfolg


Über:

Die Autorin Nicole Menten wirkt seit 20 Jahren in der internationalen Führungskräfte- und Organisationsentwicklung, ist Diplom-Psychologin, zert. prozessorientierter und spiritueller Coach, integraler Business Consultant und Geschäftsführerin von "Inside Out Solutions."

Ihre Vision für die Wirtschaftswelt ist, das wir Alle unsere #Berufung, unseren #Purpose, auf der Arbeit leben.

Coachings finden in der Nähe von Zürich oder online statt. Trainings, Workshops und Speaking-Engagements weltweit. www.inside-out.solutions

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